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Woher nehme ich Ideen für ein Spiel?


„Was, wenn mir einfach nichts einfällt?“ - das ist eine der großen Fragen, die man sich als dominanter Part nicht selten stellt. Das Bedürfnis, möglichst kreativ zu sein, keine 08/15-Session zu basteln, Überraschungen bereitzuhalten und nicht immer das Gleiche zu machen, ist bei den meisten von uns präsent. Aber gerade am Anfang, wenn man noch nicht viele Alternativen, noch nicht viele Möglichkeiten hat, fällt einem häufig auch nicht viel Unterschiedliches ein. Woher also nehme ich Ideen, wie kommt es, dass andere immer so kreativ sind oder zumindest so wirken? Wo finde ich Inspiration für Sessions? Ich möchte euch hier ein paar Möglichkeiten an die Hand geben, geordnet nach (in meinen Augen) ansteigender Effizienz.

1. Blogs, Foren und Bücher Eine naheliegende Option ist die klassische Recherche - so „klassisch“ sie in diesem Bereich eben sein kann. Das beinhaltet das Lesen von Büchern (ja, es gibt zumindest ein paar recht vernünftige Bücher zum Thema und sogar solche, die sich ausschließlich mit dem Auflisten von Aufgaben, Strafen, Sessionelementen, usw. beschäftigen) oder einschlägigen Blogs und Foren. Hier muss man differenzieren: Viele sind wenig seriös, geben fragwürdige Tipps und achten nicht allzu sehr auf die Frage, ob die ein oder andere Technik sich tatsächlich für alle, oder vielleicht eher für Fortgeschrittene eignet. Zudem gibt es oft „ausführliche“ Auflistungen von Aufgaben und Strafen, die am Ende nur 10 Varianten derselben Sache sind. Diese „Recherche“ kann also so fruchtbringend wie frustrierend sein. 2. Pornographie Vielleicht habt ihr mit diesem Punkt weniger gerechnet, aber tatsächlich kann ich aus Erfahrung sagen, dass man viele Ideen aus der Pornographie gewinnt. 99% dieser Ideen habe ich nicht so ausgeführt wie ich sie dort gesehen habe, sondern umgewandelt und angepasst, weil eben die pornographische Landschaft nicht die Realität abbildet und auch nur selten den gleichen Rahmen bietet. Man muss also aufpassen und mit wachem Auge an die Sache herangehen. In den meisten Fällen werdet ihr eher extreme Varianten von dem sehen, was geht. Aber die Grundidee, das Setting, die Utensilien, die Konstellation, das genutzte Möbelstück, der versteckte Sadismus und die Umsetzung sexueller Fantasien können eine Quelle der Kreativität sein, die man nicht unterschätzen sollte. 3. Austausch mit anderen

Dieser Weg ist in meinen Augen zuverlässig gewinnbringend, weil er entweder inhaltlich neue Gedanken oder Methoden bringt, oder man nach einem Gespräch weiß, was man nicht tun sollte. Austausch und Kommunikation sind die Grundlage von BDSM, aber nicht nur zwischen den Beteiligten, sondern auch mit Menschen außerhalb der eigenen Konstellation. Gerade so entwickeln sich Ideen weiter, bleibt man sensibel und erweitert den eigenen Horizont. Sprecht also mit submissiven Menschen, mit denen ihr nicht spielt und fragt sie nach Erzählungen aus vergangenen Sessions, die sie gut fanden. Sprecht mit anderen dominanten Menschen, die euch aus ihrer eigenen Erfahrung ein paar Ratschläge geben können. Und unterhaltet euch bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit Menschen, die in irgendeiner Form Interesse an dem Thema haben, denn all diese Menschen haben eine Sache gemeinsam: Sie haben ihre eigenen Gedanken und Vorstellungen dazu! Und diese Gedanken und Vorstellungen werden immer von unseren eigenen abweichen. Diese Abweichung ist es, die uns am Ende alle bereichert.

4. Der Sub

Zu guter Letzt möchte ich euch die Möglichkeit verraten, die ich für eine unterschätzte Geheimwaffe halte. Es ist die in meinen Augen effektivste und schönste Art und Weise, auf neue Ideen zu kommen: Ihr fragt euren Sub selbst! Das mag sehr profan klingen und eigentlich möchte man natürlich genau das nicht: Vor dem Sub zugeben, dass einem nichts einfällt und ihn darum bitten, einem in Sachen Kreativität auf die Sprünge zu helfen. Im Gegenteil ist ja eigentlich das Ziel, ganz von selbst spannende Ideen zu haben, mit denen man Sub dann überrascht. Nun, beide Szenarien sind nicht so weit voneinander entfernt, wie man vielleicht glauben möchte - am Ende kommt es auf den Weg vom einen zum anderen an. Es geht natürlich nicht darum, sich an einen Tisch zu setzen und Sub darum zu bitten, die eigene Session mitzuplanen. Im Idealfall verpacken wir unsere Frage in eine Aufgabe oder eine Anweisung. Auf diese Art und Weise bekommen wir nicht nur allgemein neuen Input, sondern konkrete Informationen über die Grenzen und Vorlieben unseres Gegenübers (und das ganz nebenbei) und haben zudem noch ein reizvolles Spiel eingebaut, ohne wirklich viel tun zu müssen oder (und das ist das Spannende!) besonders kreativ zu sein.

Wie kann es also konkret aussehen, eine Hilfestellung für mich in eine reizvolle, kreative Aufgabe für ihn zu verpacken? Um das zu erreichen, überlege ich mir zuerst, was ich konkret wissen möchte: Brauche ich neue Ideen? Möchte ich allgemeine Inspiration? Möchte ich konkret wissen, was für ihn infrage kommt? Möchte ich herausfinden, wie weit ich gehen darf und was in diesem Rahmen noch möglich ist - anders als das, was ich bisher immer gemacht habe, also im Sinne der Abwechslung? Worum auch immer es euch geht, ihr achtet auf folgende Kriterien:


Indikativ: Ihr formuliert eure Bitte im Indikativ, also in der Befehlsform. Statt „Ich möchte, dass du mir sagst…“, sagt ihr „Sag mir…“ Das verdeutlich das Machtgefälle und den Aufgabencharakter.

Zeitangaben/Deadlines: Baut in jede Aufgabe, eine Deadline ein. Wichtig ist gerade bei Ideen für ein Spiel, Kreativität, Wünschen und Fantasien, dass es ja inhaltlich kein „richtig und falsch“ gibt. Eine Aufgabe braucht aber die Möglichkeit des Scheiterns: Wenn es egal ist, ob man eine Aufgabe erledigt/richtig macht, oder nicht, dann ist es keine Aufgabe. Weil ihr aber beim Inhalt, wenn es um persönliche Wünsche geht, nicht sagen könnt, dass etwas „falsch“ war, braucht ihr ein anderes Kriterium: Die Zeit. Also Beispiel also „schick mir bis morgen 3 Dinge, die du gern ausprobieren würdest“ oder „nenne mir in den nächsten 5 Minuten 5 Dinge, die dich interessieren“ oder „schreibe mir bis Ende der Woche ein Fantasie auf“. Die Deadline, also der dadurch entstandene Druck, verstärkt den Aufgabencharakter. Er wird ausschließlich davon ausgehen, dass ihr ihm eine Aufgabe stellt und nicht, dass euch die Ideen ausgehen.


Konkrete Inhalte: Versucht, konkret zu bleiben in euren Aufgabenstellungen. Vermeidet Formulierungen wie „Erzähl mir, was dir gefällt“, sondern baut Zahlen ein, konkrete geforderte Inhalte, usw.

Präzisierende Adjektive: Statt zu sagen „schreib mir eine Fantasie von dir auf“, sagt ihr „schreib mir in angemessener Länge eine Fantasie von dir auf“. Statt zu sagen „schick mir eine Liste“, sagt ihr „schick mir eine vollständige Liste“. Auf diese Art und Weise könnt ihr mit der Aufgabe spielen. Wenn er also einen Tag später zu der Liste etwas hinzufügen will, könnt ihr damit spielen, dass die Liste „dann ja gestern nicht vollständig war - hatte ich nicht eine vollständige Liste gefordert?“. Auf diese Art und Weise verbindet ihr beides: Ihr erhaltet neue Ideen, den kreativsten Input, den man sich vorstellen kann, explizite Wünsche, die ihr direkt mit eurem Sub umsetzen könnt und habt noch dazu das Machtgefälle aufrecht erhalten, Aufgaben vergeben und ein klein wenig gespielt.

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